Jahresprogramm
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R Ü T T E - F O R U M
-   T o d t m o o s   -

17. – 18.06.2006
Symposium

"Terrorismus, Spiritualität und Friedensarbeit"

Diskussion auf der Basis der Theorie von Ken Wilber 


Europäisches Gästehaus Todtmoos (Südschwarzwald)
Kirchbergstr. 2, 79682 Todtmoos



 
Beiträge von

Roland Benedikter, Claus Eurich, Nesmil Ghassemlou, Ingo Jahrsetz, Roswitha Jarman, Gerd Klostermann, Helmut Reich und Edith Zundel

Organisation:
 Rütte-Forum            und              SEN e.V.
Graf-Dürckheim-Weg 5, D-79682 Todtmoos
Tel:: 07674/8511, Fax 07674/8561

Nach einem Wilber-Seminar in Todtmoos-Rütte 1998 wurde der ´Arbeitskreis Ken Wilber´ gegründet. 2003 gab es dort zu seinem fünfjährigen Bestehen und Wachsen zweitägige Gespräche. Sie waren so interessant, dass wir sie seither wiederholen. Voriges Jahr ging es um Wissenschaft und Spiritualität. In diesem Jahr geht es um Wilbers Terrorismustheorie, um Friedensarbeit und darum, welche Rolle Spiritualität dabei spielt. Wir planen Referate und Diskussionen mit allen TeilnehmerInnen, Berichte aus der konkreten Friedensarbeit und das Erleben einer Aufstellung ähnlich wie in der Familientherapie, hier aber von Terroristen, ihren Opfern und denen, die sich um Frieden bemühen. Grundkenntnisse der Arbeiten von Wilber sind erwünscht.
Wer diese Kenntnisse erwerben, auffrischen oder diskutieren möchte, hat die Gelegenheit, am Freitag vor dem Symposium den Workshop von Michael Habecker zu besuchen. 
 

Gerd Klostermann, Pieter Loomans, Edith Zundel

Empfohlene Literatur: 
Wilber, K.:  Eros, Kosmos, Logos,
Wilber, K. Eine kurze Geschichte des Kosmos
Wilber, K.: Ganzheitlich handeln, 
Wilber, K.: Vom Tier zu den Göttern, Hrsg. E. Zundel
 

 

16.06.06

Praesymposium-Workshop 
mit                                                   Michael Habecker
Integrale Betrachtungen zu Terrorismus, Spiritualität und Frieden

In diesem Workshop nehmen wir den Integralen Ansatz des amerikanischen Autors und Philosophen Ken Wilber als einen Ausgangspunkt für die Diskussion der Themen Terrorismus, Spiritualität und Frieden. Dazu wird der Ansatz Wilbers in seinen Grundzügen vorgestellt und danach konkret auf die Thematik angewendet. Stichpunkte hierzu sind: Ich sehe was, was du nicht siehst – die Perspektiven des in-der-Welt-seins. Ethik – wie wollen wir in einer begrenzten Welt miteinander leben? Die vielen Gesichter des Terrorismus. Ebenen des Bewusstseins – Weltanschauungen, Vielfalt, und Entwicklung. Das Innen und Außen von Frieden(sarbeit) in Geist, Kultur und Natur. Zeitgeist als Hintergrund unseres (Er)lebens: Flachland, Boomeritis und Co. Welche Rolle spielt die Spiritualität, und warum sind Religionen die Ursache für so viel Leid? Der Terror von Morgen – ein Wettlauf von Technologie und Bewusstheit. Was ist Wissenschaft, und woher wissen wir, was wir wissen? Darüber hinaus gibt es Raum für Anregungen, Dialog, Diskussionen und angeleitete Übungen.

Ort:      Europäisches Gästehaus
Zeiten: 10.00 – 13.00 Uhr, 15.00 – 18.00 Uhr und 20.00 – 21.30 Uhr

 


17.06.06

8.00 – 8.30 Uhr        Meditation

10.00 Uhr Begrüßung     Edith Zundel und Pieter Loomans

10.15– 11.30 Uhr
Roland Benedikter und Gerd Klostermann

Vortrag:  Der geheime Kulturkampf des 21. Jahrhunderts: Regressive oder progressive Spiritualität? 

Terror und Integrales Denken.

Gibt es einen neuen Kulturkampf, der sich heute in den Tiefendimensionen unserer Zeit eröffnet? Worin besteht er? Vor allem: Worin besteht die kulturelle Dialektik, die er, für die kommenden Jahrzehnte prägend, im Innern unserer globalisierten Kultur anregen wird? Und was bedeutet das für uns alle: in Alltag, persönlicher Grundorientierung, gesellschaftlichem Engagement?

Der große Kulturkampf des 21. Jahrhunderts ist insgeheim längst in Gang. Es ist der Kampf zwischen dem geistigen Erbe der europäischen „Postmoderne“ und der globalen „Renaissance der Religionen“.

Die philosophische „Postmoderne“ hat die westliche Kultur im Gefolge der 1968er Revolution zwischen 1979 und 2001 geprägt. Sie strahlte von Europa und den USA in die Welt aus – als die zeitgemäße Form von Aufklärung und reifer Moderne.

Die „Renaissance der Religionen“ setzte nach dem Zusammenbruch der großen Ideologien 1989/91 als Ersatz für verlorene Grundorientierungen in weltweiter Dimension ein: in den Ländern des Islam, des katholischen und orthodoxen Christentums, des Hinduismus, des Konfuzianismus. Sie prägt die Welt heute insgesamt stärker als die moderne Kultur – als neuer nationaler und sozialer Kit für praktisch alle Gesellschaften außerhalb Europas, aber auch für die konservativen USA unter George W. Bush.

Der Kampf zwischen diesen beiden Tendenzen beeinflusst aus ideen- und kulturgeschichtlicher Sicht die Welt seit der politischen Wende 1989/91 immer stärker. Mit den Terroranschlägen des 11. September 2001 prallten beide Tendenzen zum ersten Mal, für alle Menschen der Welt symptomatisch sichtbar, äußerlich und öffentlich zusammen. Es wird nicht das einzige Mal bleiben. Denn der Kampf zwischen „Postmoderne“ und „Renaissance der Religionen“ richtet die konkreten Einzel-Entscheidungen auf allen Kern-Gebieten der entstehenden globalen Gesellschaft mittlerweile maßgeblich mit aus: von der Weiterentwicklung der Individualität über das Verständnis der Menschenrechte und die entstehenden neuen Formen des Sozialen bis hin zu den großen weltpolitischen Weichenstellungen.

Insofern kommt diesem unterschwelligen Kulturkampf grundlegender Charakter für das Verständnis der Gegenwart und der Zukunft zu. Wir müssen ihn verstehen, wenn er uns in den kommenden Jahren nicht unbewusst beeinflussen soll. Wir müssen vor allem verstehen, welche Seiten im Spiel sind und was sie wollen, um eine Stellung in diesem Ringen zu gewinnen, das für uns alle von größter Bedeutung sein wird. Und wir müssen drittens verstehen, wo die Zukunft liegen kann: Wie dieser Kampf produktiv in eine dritte, integrative Position hinein aufgelöst werden kann, die das Beste aus beiden Seiten in sich integriert.

11.30 – 12.00 Uhr              Pause

12.00 – 13.00 Uhr

Dialog zwischen Roland Benedikter, Gerd Klostermann und TeilnehmerInnen, - Moderation: Helmut Reich -

13.00 – 14.30 Uhr Mittagpause

14.30 – 15.15 Uhr                               Nesmil Ghassemlou

Meine Friedensarbeit als Mensch, Psychotherapeutin und Friedensaktivistin

Nach einem gewaltsamen Einbruch der Politik (1989) in meine Familie wollte ich kein Zuschauer der Geschehnisse mehr sein. Seitdem bin ich in der Türkei und Kurdistan als Therapeutin, Supervisorin, Aubilderin und Menschenrechtsaktivistin tätig. Über diese Entwicklung möchte ich in meinem Vortrag berichten.

15.15 – 15.45 Uhr Kaffeepause

15.45 – 16.30 Uhr                                  Roswitha Jarman

Bericht über ihre praktische Friedensarbeit im Nord-Kaukasus

- ein Erfahrungsbericht auf „Graswurzelebene“-

Seit 1991 bin ich regelmäßig mindestens zweimal im Jahr im Nord Kaukasus. Zuerst von Moskau aus, wo ich mit meinem Mann zwischen 1991 und 1994 gelebt habe. Ich habe besonders in Schulen und anderen Bildungsstätten und mit Psychologen Workshops zu Fragen, wie man mit Konflikten besser umgehen kann, geleitet. Ich war über mehrere Jahre regelmäßig in Nord Ossetien an einer Schule und in Inguschetien an der Universität, tätig.

Neben den Workshops war es mir wichtig, für die Menschen, die Gewalt erlitten haben, ein Zeuge ihrer Erlebnisse zu sein, um beizutragen, dass Erlittenes verarbeitet werden kann, dass der Mensche seine eigene Würde wieder spürt und dass Kräfte gefunden werden, um wieder im Leben aktiv zu werden.

In den neunziger Jahren habe ich viel Zeit zwischen den verfeindeten Menschen von Nord Ossetien und Inguschetien verbracht, um Mistrauen und Ängste zu erkennen und zu benennen und wenn möglich abzulegen. Seit 2002 unterstütze ich mit Trainings ein kleines lokales Versöhnungsprojekt zwischen diesen beiden Menschengruppen.

Seit 1995 bin ich zusätzlich regelmäßig mit den Menschen aus Tschetschenien in Kontakt und habe in einem lokalen NGO Menschen ausgebildet, die beitragen können, Trauma zu heilen. Trauma hinterlässt verwirrende Gefühle, die sich ausdrücken wollen. Ohne Hilfe, kann dieser Ausdruck oft gewalttätig und zerstörerisch sein. Wenn wir uns hilflos fühlen, fangen wir an zu hassen, sagte ein junger Ossete nach einem langen Gespräch zu der Situation zwischen den Osseten und Ingusch. Diese Hilflosigkeit, dieser Hass, kann zu mehr Gewalt führen. 

In meinem Beitrag werde ich aus meiner Erfahrung sagen, was wir zur emotionalen Gesundung beitragen können. Eine Gesundung, die beitragen kann, dass Menschen nicht in weitere Gewalt gezogen werden.

16.30 – 17.00 Uhr               Pause

17.00 – 18.00 Uhr 

Gespräch mit Nesmil Ghassemlou und Roswitha Jarman, - Moderation Edith Zundel -

20.00 – ca. 22.00 Uhr                                   Ingo Jahrsetz

“Systemische Aufstellung zu Terrorismus, Spiritualität und Friedensarbeit“ 


18.06.

0 8.00 –   8.30 Uhr              Meditation

10.00 – 11.00 Uhr                                  Claus Eurich

Vortrag: Interbeing. Über ein integrales Verhältnis von Frieden

Die „klassischen“ Konzeptionen/Denkmodelle/Strategien von Krieg und Frieden verbleiben in einer anthropozentrischen Sicht von Welt. Darin wiederum begrenzen sie sich im abgrenzenden Denken, das Identität über Differenz zu erkennen und zu finden glaubt. Frieden aber setzt mehr voraus. Er kommt nachhaltig nur dort zustande, wo er personal, kulturell und interkulturell/transkulturell Umwelt, die soziale Mitwelt, das Göttliche und das Ich zum SELBST integriert. Der Prozess dieser Integration setzt auf allen Ebenen eine angemessene Kommunikation voraus.

11.00 – 11.30 Uhr             Pause

11.30 – 12.30 Uhr                                 Helmut Reich

Friedenserziehung: Was kann Psychologie dazu beitragen?

Vieles ist bereits zum Thema Friedenserziehung gesagt und geschrieben worden, aus philosophischer, politischer, historischer, soziologischer, pädagogischer Sicht sowie aus jener weiterer Disziplinen. Aus psychologischer Sicht geht es weitgehend erstens um ein adäquates Modell vom Menschen und zweitens um die geeigneten Denk- und Argumentationsvorgänge. Das hier detailliert vorgestellte Modell verdankt sich einem handlungstheoretischen Ansatz: Jeder Mensch hat (bewusste oder unbewusste) Ziele, strebt sie mit geeignet erscheinenden Mitteln an und behält seine Vorstellung bei Erfolg bei bzw. wandelt sie bei Misserfolg ab. Was die Denk- und Argumentationsvorgänge angeht, so kommen hier die Grenzen der Anwendbarkeit strikter binärer Logik, die Vorzüge anderer Logiken bei der Friedenserhaltung bzw. -gewinnung und die Natur (ir-)ra-tionaler Entscheidungen zur Sprache.

12.30 – 14.00 Uhr     Mittagspause

14.00 – 15.00 Uhr  Diskussion in kleineren Themengruppen zwischen ReferentInnen und TeilnehmerInnen

15.30 – 17.00 Uhr                                   Podiumsdiskussion

Austausch im Plenum zwischen ReferentInnen und TeilnehmerInnen

- Moderation: Edith Zundel und Helmut Reich -


sy.PDF

Zum Ausdrucken: Flyer zum Symposium als pdf-Datei 

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